Windhauch Podcast

Glaubenskommunikation & Kirchenentwicklung: Impulse für die Kirche der Zukunft.

Wieso glauben Christen an Verschwörungen? mit Samuel Epp

Veröffentlicht am 29.01.2026 / 00:01

Anmerkungen

In dieser Episode des Windhauch-Podcasts sprechen Tobias Dauer und Samuel Epp über die Verbindung zwischen Glaubenskommunikation und Verschwörungserzählungen, insbesondere im Kontext des Christentums. Samuel teilt seine Expertise als Bildungsreferent im Bereich Extremismusprävention und erläutert seine aktuelle Forschung, die sich mit dem Phänomen des Verschwörungsglaubens auseinandersetzt.


Wir beginnen mit der Diskussion darüber, was Verschwörungserzählungen überhaupt sind und welche Faktoren dazu führen, dass Menschen anfällig dafür werden, diese zu glauben. Samuel erklärt, dass Verschwörungserzählungen die Annahme beinhalten, dass unsichtbare Mächte im Hintergrund agieren, um negative Ereignisse zu verursachen. Im Gegensatz dazu beschäftigt sich das Christentum mit der Vorstellung eines gütigen Gottes, was scheinbar im Widerspruch zu solchen Erzählungen steht. Durch die liebevolle Macht Gottes wird auch die Möglichkeit eröffnet, dass Gläubige sowohl an Wunder als auch an das Gute im Leben glauben können, im Gegensatz zu den oft negativen Szenarien der Verschwörungserzählungen.


Ein zentraler Punkt in der Konversation ist die Unterscheidung zwischen Verschwörungserzählungen, Verschwörungsglauben und Verschwörungsideologie. Samuel beschreibt, wie diese Formen sich je nach Intensität und Überzeugung voneinander unterscheiden. Besonders interessant ist die Überlegung, dass manche Menschen durch einen Überhang an Skepsis gegenüber offiziellen Erklärungen in eine Spirale des Misstrauens geraten können, die sie dazu führt, verstärkt in Verschwörungserzählungen zu glauben. Als Beispiel wird die Corona-Pandemie angeführt, die viele gesellschaftliche Ängste und Misstrauen verstärkt hat.


Ein weiterer Aspekt der Episode behandelt die Rolle der Identität in Verbindung mit Glaubenssystemen und wie diese durch gesellschaftliche und persönliche Krisen beeinträchtigt werden können. Samuel zeigt auf, dass Menschen, die viel in ihr Weltbild investiert haben, Schwierigkeiten haben könnten, neue Informationen zu akzeptieren, die ihren Glauben in Frage stellen, was zu einer kognitiven Dissonanz führen kann. Diese Dissonanz kann als Komfortzone fungieren, in der Menschen Vertrautheit und Sicherheit suchen, auch wenn ihre Überzeugungen nicht mehr mit der Realität übereinstimmen.


Im Laufe des Gesprächs wird auch die Thematik der Apokalyptik im evangelikalen Christentum angesprochen. Hierbei wird deutlich, dass das ständige Erwarten von Endzeitereignissen die Wahrnehmung der Welt in eine wettbewerbsorientierte Sichtweise verwandeln kann. Samuel diskutiert Beispiele von gesellschaftlichen Themen, die von Gläubigen oft mit Verschwörungserzählungen verknüpft werden, und das daraus resultierende Bedürfnis, die Kontrolle über die Welt um sich herum nicht zu verlieren.


Abschließend wird die Bedeutung von Ambiguitätstoleranz hervorgehoben, also die Fähigkeit, Unsicherheiten auszuhalten und nicht in die Falle von Glaubensdogmatismus oder extremen Weltanschauungen zu geraten. Samuel gibt den Zuhörern wertvolle Einblicke, wie wichtig es ist, in Dialoge zu treten und zuzuhören, um mögliche Misstrauens- und Angstmuster abzubauen und so dem Verschwörungsglauben entgegenzuwirken.